Der SelbstVerbindungs-Blog 

von Dr. Grit Ludwig


Authentisch sein, auf die innere Stimme hören, das wird immer wichtiger in unserer Zeit! Oft ist unsere innere Stimme nicht ganz klar zu vernehmen: Durch (größere und kleinere) eigene Traumata aus der Kindheit, durch übernommene Traumata oder allgemein durch Verstrickungen aus dem Familiensystem verlieren wir teilweise die Verbindung zu unserem wahren Selbst.

 In diesem Blog findest Du Beiträge dazu, wie Du Dich besser mit Deinem Wesenskern verbinden kannst. Dadurch wird es möglich, dass Du Dein Leben als Original lebst und Deinen eigenen Weg gehst! 

Geburtstrauma verarbeiten



Die jetzige Situation, in der wir uns befinden, erinnert an eine Geburt. Die bis März 2020 geltende Wirklichkeit hat uns Sicherheit gegeben. Nun ist vieles im Umbruch und eine „Neue Zeit“ scheint sich in den Geburtskanal zu aufzumachen. Viele Menschen schauen, wo sie stehen und wo sie hin wollen. In solchen Umbruchssituationen werden wir an unsere eigene Geburt erinnert. Nicht selten liefen Geburten traumatisch ab. Solche Geburtstraumata werden in Situationen der persönlichen Neuausrichtung getriggert und können diese behindern. Die „Geburt“ der neuen Person stockt.

Seelische Muster werden zutiefst geprägt durch die Zeit, in der wir im Uterus unserer Mutter zu Gast waren und durch unsere Geburt. Diese Muster beeinflussen unser Leben in erheblichem Maß, z.B. hinsichtlich Entscheidungsfindung, Beziehungen, Selbstbewusstsein, Elternschaft. Die Geburt ist das erste große Sich-Auf-Den-Weg machen. Das Ziel können wir vielleicht erahnen, aber wir kennen es nicht. Das Baby lässt die vertraute Umgebung des Mutterleibs für immer hinter sich und kommt – so ist es von der Natur vorgesehen – in den Armen der Mutter an, die es liebevoll an ihr Herz drückt. Denn dort kann es sich von den Strapazen der Geburt ausruhen und die Geburtserfahrungen verarbeiten.


Gelingt die Geburt ohne größere Einschnitte, so hat der neu geborene Mensch eine positive Erfahrung gemacht. Diese gibt ihm die Abenteuerlust, die Neugier, den Mut und das Selbstbewusstsein, auch weitere Transformationsprozesse im Leben anzugehen, denn das Leben ist nun mal stete Veränderung. Unsere Geburt ist als Blaupause für Transformationsprozesse in unserem Körper abgespeichert, wie ein Modell auf das wir in späteren Phasen des Umbruchs und der Selbstwerdung zurückgreifen können. 

Doch leider läuft der Prozess der Geburt und die anschließende Bindungsphase zwischen Mutter und Kind nicht immer ungehindert ab: Komplikationen, vital bedrohliche Zustände bei Mutter und/oder Kind; zu früh oder zu spät eingeleitete Geburten; Kaiserschnittgeburten; Trennung und Isolation nach der Geburt; schwierige oder feindliche Umgebungen für die Mutter und/oder Kind, etc. – all diese Ereignisse können seelische Wunden hinterlassen, die dann dazu beitragen, dass der Prozess der Geburt im Körper nicht wie die erfolgreiche Bewältigung einer schwierigen Aufgabe abgespeichert wird, sondern als eine vage Erinnerung an Überforderung, Bedrohung, Auswegslosigkeit, Abhängigkeit und Hilflosigkeit. Hat man solche Erinnerungen im Körper gespeichert, dann werden Phasen des Umbruchs, wie eine Neuorientierung im beruflichen Bereich, das Ende einer langjährigen Partnerschaft, die Ablösung von erwachsen werdenden Kindern vom Elternhaus etc. von starken unterbewussten Ängsten und Zweifeln begleitet. Diese werden oft als irrational erlebt, da sie der eigenen Biographie nicht klar zugeordnet werden können (Philipp Kutzelmann in: Dr. med. Ero Langlotz, Newsletter vom 12.1.2021, https://www.e-r-langlotz.de/newsletter-januar-2021-ii/).


Die Systemische Selbstintegration nach Dr. Langlotz(R) bietet einen Rahmen, um das Geburtstrauma zu verarbeiten. Da die traumatische Erfahrung nicht bewusst erinnert werden kann, wird mit dem blockierenden Element gearbeitet. Hinweise auf ein Geburtstrauma können Bilder von weißen Kitteln, grellem Licht, schreienden Babys oder etwa Gefühle von Abgeschnittensein, Verlassenheit, Angst und Hilflosigkeit sein. Werden diese bei der Frage, wie alt jemand in der betreffenden Situation war, der Geburt zu geordnet, ist das Geburtstrauma als Ursache für Schwierigkeiten in Umbruchssituationen identifiziert. In der Systemaufstellung wird das Geburtstrauma durch einen Würfel symbolisiert. Nach dem bewussten Fühlen und Loslassen der schwierigen Gefühle, die mit dem Trauma verbunden waren, wird das Geburtstrauma, repräsentiert durch den Würfel, aus dem eigenen Raum entfernt. Damit wird klar, dass die Gefühle der Vergangenheit angehören und nicht mehr zu unserer jetzigen Identität gehören.


Das Geburtstrauma wird in der ca. 90 min dauernden Systemaufstellung aus dem eigenen Raum entfernt. Dann steht es neuen Wegen in Umbruchssituationen nicht mehr entgegen. Das Geburtstrauma stand meist auch der Begegnung mit dem wahren Selbst der Mutter im Weg – auch diese Begegnung wird nachgeholt. Mütterliche Liebe darf fließen und im Rahmen der Aufstellung gespürt werden. Die in der Aufstellung gemachten Erfahrungen können dann im Leben abgerufen werden.

Fallbeschreibung: Geburtstrauma blockiert Beziehung zur Tochter

Angelika hat eine 16jährige Tochter, Susan, die sich seit den letzten 12 Monaten extrem von ihrer Mutter abgrenzt. Das ist ihre Aufgabe beim Erwachsenwerden und Angelika freut sich im Grunde darüber, dass Susan in ihre eigene Kraft kommt. Dennoch stellt es für die Mutter eine Herausforderung dar, da sie bis dahin eine sehr enge Beziehung zu Susan hatte. Angelika sieht auch, dass Susan die Abgenzung viel Kraft kostet und sie möchte sie nicht in der Erlangung ihrer Eigenständigkeit behindern. Mit dem Anliegen, die Beziehung zu ihrer Tochter zu klären, macht Angelika eine Systemaufstellung nach der Methode der Systemischen Selbst-Integration nach Dr. med. Ero Langlotz(R).

Im Laufe der Aufstellung ergibt sich, dass die Beziehung von Angelika und Susan durch das Geburtstrauma von Angelika während ihrer eigenen Geburt blockiert ist. Dieses Trauma wurde bei der Geburt von Susan wiederum getriggert. 

Angelika war bei ihrer Geburt zwei Wochen über der Zeit gewesen.Während der Geburt wurde der Mutter Druck gemacht, denn die Hebamme wollte nach Hause, weil sie Feierabend hatte. Angelika hatte immer das Gefühl, dass sie noch nicht geboren werden wollte. Die Wehen der Mutter waren nicht ausreichend, der Vater hat sie „rausgeschoben“. 

In der Aufstellung wird nun das Geburtstrauma angeschaut und es ergibt sich noch, dass dieses Geburtstrauma mit einem Trauma der Mutter verbunden ist, die Angelikas älteren Bruder aus gesundheitlichen Gründen abtreiben musste.

In der Aufstellung werden beide Traumata aus Angelikas Raum entfernt. Der Bruder, für den Angelika bisher teilweise stellvertretend gelebt hat, wird verabschiedet. Dies schafft Raum dafür, dass Angelika ihr eigenes Leben leben kann. Außerdem steht ihr die Energie, die bisher in den Traumata gebunden war, für ihre Selbstverwirklichung zur Verfügung. 

Fallbeschreibung abgewandelt und gekürzt aufgrund des Videos meines Ausbilders Dr. med. Ero Langlotz, der die Methode der Systemischen Selbst-Integration entwickelt hat: https://www.youtube.com/watch?v=oua2_-C8EDw

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