Der SelbstVerbindungs-Blog 

von Dr. Grit Ludwig


Authentisch sein, auf die innere Stimme hören, das wird immer wichtiger in unserer Zeit! Oft ist unsere innere Stimme nicht ganz klar zu vernehmen: Durch (größere und kleinere) eigene Traumata aus der Kindheit, durch übernommene Traumata oder allgemein durch Verstrickungen aus dem Familiensystem verlieren wir teilweise die Verbindung zu unserem wahren Selbst.

 In diesem Blog findest Du Beiträge dazu, wie Du Dich besser mit Deinem Wesenskern verbinden kannst. Dadurch wird es möglich, dass Du Dein Leben als Original lebst und Deinen eigenen Weg gehst! 

Lieblosigkeit macht krank

22. Februar 2021

"Lieblosigkeit macht krank: Was unsere Selbstheilungskräfte stärkt und wie wir endlich gesünder und glücklicher werden" - So heißt das neue Buch des bekannten Hirn-Forschers Prof. Gerald Hüther, das in diesem Monat erschienen ist. Ausgangspunkt des Buches ist, dass alles in der Natur sich selbst organisiert. Jedes Ökosystem passt sich von selbst an die Umweltbedingungen an, jedes Tier weiß instinktiv, was es gesund und was krank macht. Auch der menschliche Organismus strebt einen Zustand an, in dem alles, was in seinem Inneren abläuft, möglichst reibungslos ineinandergreift. So organisiert sich unser Gehirn selbst unter der Maxime, möglichst wenig Energie für seine Prozesse aufzuwenden. Es verfolgt dabei die Strategie der Komplexitätsreduktion, etwa für Bewegungsabläufe, die es nach einigem Üben in Automatismen umwandelt. Aber auch unser Verhalten versucht das Gehirn möglichst energiesparend zu steuern, indem es übergeordnete Muster in Form von Einstellungen und Handlungsanweisungen entsprechend der im bisherigen Leben gemachten Erfahrungen abspeichert. In unserer Gesellschaft ist das Weltbild von Konkurrenzdenken geprägt. Schon Kindergartenkinder werden zu Englisch-Kursen o.ä. geschickt, um sich im späteren Leben von der Konkurrenz abheben zu können. In den Schulen müssen Kinder Faktenwissen pauken und man macht ihnen weis, dass sie nur dann einen guten Job bekommen werden, wenn sie sämtlichen geforderten Lernstoff „intus“ haben. 

Der Mensch hat zwei wesentliche Grundbedürfnisse, die er als Grundausstattung mit auf die Welt bringt und die für sein Mensch-Sein sehr wichtig sind: das Bedürfnis nach Nähe und Zugehörigkeit auf der einen Seite und das Bedürfnis nach Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung auf der anderen Seite. Mit den vielen Anforderungen, die seit Generationen in den Familien und als Gesellschaft an Kinder und Jugendliche gestellt werden, wird die Erfüllung des Bedürfnisses nach Zugehörigkeit der jungen Generation von vielen Bedingungen abhängig gemacht. Damit die Kinder diese Anforderungen erfüllen und so ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigen können, müssen viele ihr Bedürfnis nach Selbstverwirklichung massiv einschränken. Ihr Gehirn ist dann für das weitere Leben so strukturiert, dass sie sich immer nach den Erwartungen anderer richten und Anerkennung im Außen suchen. Da das Gehirn nun mal so strukturiert ist, können die Betroffenen kaum erkennen, dass die Natur diese Hirnstruktur, in der wenig Platz für Selbstentfaltung bleibt, so nicht vorgesehen hat und dass diese Verknüpfungen im Gehirn letztlich den ganzen Menschen krank machen. Da es sehr vielen anderen, wenn nicht den meisten, auch so geht, wird dieses Verhalten auch noch als „normal“ und natürlich angesehen.

Aus dieser Falle kommen wir durch liebevolles Verhalten uns selbst gegenüber heraus, so Hüther, indem wir auf die Bedürfnisse unseres Körpers hören. Denn das Bedürfnis nach Selbst-Autonomie ist durch das lieblose Verhalten von Bezugspersonen nur zugeschüttet worden, es geht aber nie verloren, sondern meldet sich immer wieder. Bin ich liebevoll zu mir selbst, z.B. dass ich an einem sonnigen Tag nicht bis abends vor dem Computer sitzen bleibe, sondern noch ein bisschen Zeit in der Natur verbringe, so wie beim Körper das verlangt, dann werden die Verschaltungen im Gehirn langsam wieder neu verdrahtet. Dem Bedürfnis nach Selbstverwirklichung wird immer mehr Raum gegeben, mein Körper muss seine Bedürfnisse nicht mehr unterdrücken und wird dadurch gesünder. Am Ende bin ich auch zu meinen Mitmenschen liebevoller. Prof. Hüther hat wieder einmal ein bahnbrechendes Buch geschrieben, das – so bleibt zu wünschen – möglichst viele Menschen lesen und beherzigen.

Ergänzen möchte ich, dass der Prozess der Umstrukturierung des Gehirns durch ein Autonomie-Training nach Dr. Langlotz(R) beschleunigt werden kann. Mit Figuren wird die innere Struktur einer Person aufgestellt, die aus der jetzigen Person, dem erwachsene Selbst und dem kindlichen Selbst besteht. Das erwachsene Selbst ist der Teil eines Menschen, der seine Würde in sich trägt, unabhängig davon, ob er die Erwartungen anderer erfüllt oder etwas leistet. Das kindliche Selbst ist der Teil der Persönlichkeit, der kreativ und neugierig ist. Wie diese Selbstanteile mit der Person verbunden sind, sieht man während der Aufstellung, in der eine Abgrenzung gegenüber einer anderen Person (frühere Bezugsperson, eigener Partner, Freundin, Chef) und gegenüber mit dieser Person verbundenen schwierigen Erlebnissen stattfindet. Im Autonomie-Training sieht man seine eigene Persönlichkeitsstruktur in Bezug auf die Selbst-Anteile in der Draufsicht und so gelingt es besser, sich von der bis dahin vorherrschenden Gehirnstruktur Abstand zu nehmen. Durch Abgrenzungsrituale während der Aufstellung wird die Selbst-Autonomie gestärkt. 

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